Hilfe zur Selbsthilfe

ASHA Talentförderung

Innovatives Projekt der REHASWISS

Projekt Beschreibung

Ein innovatives Projekt der REHASWISS in Zusammenarbeit mit der indischen Partnerorganisation VSSS, Kerala

Susanne Aerthott, Atelierleiterin ASHA Products

Am 25. November 2012 konnten wir in Kottayam, Kerala das ASHA-Zentrum zur Talentförderung für Behinderte eröffnen. Es nahmen an der Eröffnung auch über 50 Gäste aus der Schweiz teil, die zur Hochzeit von Ariane Lüthi und Santosh Aerthott nach Indien gereist waren. Vor der feierlichen Eröffnung des Projektes erfreute uns der Auftritt einer Gruppe von 15 traditionellen TrommlerInnen. Tee und Gebäck bereicherten den Anlass. Anschliessend wurde das Band von Frau Radha V. Nair, der Distriktspräsidentin der Gemeinden, durchschnitten, und die Besucher konnten das Gebäude mit den drei brandneuen Nähmaschinen besichtigen. Eine Ausstellung von Bildern, die zwei Künstler mit Behinderung zur Verfügung stellten, bildete einen würdigen Rahmen für diese Veranstaltung. Ein Künstler konnte sogar ein Bild an Schweizer Gäste verkaufen.

Nach diesen Festlichkeiten begannen wir in kleinen Schritten mit der Arbeit. Amminikutty, eine an der Hand behinderte Frau, betrat das ASHA-Zentrum nach einem Gebet für das gute Gelingen. Wegen ihrer Behinderung kann sie keine feinen Näharbeiten erledigen, z.B. Knöpfe oder Haken annähen. Deshalb engagierten wir im Januar eine zweite Näherin, Molamma, die uns an zwei Tagen in der Woche unterstützt.

Als Startgeld erhielten wir von VSSS 20‘000 Rupien (350 Franken) für den Einkauf von Material, was zunächst nach einem reichlichen Betrag aussah. Erst später bemerkte ich, dass die Stoffe und die Lohnkosten für die Näherinnen wegen der Teuerung wesentlich höher sind als bei der Planung angenommen. Ich selber arbeite selbstverständlich ehrenamtlich im Projekt mit.

Das Ziel unserer Arbeit ist, Produkte zu entwickeln, welche von Behinderten, die bereits mit einem Mikrokredit unterstützt wurden, hergestellt werden können.

Nach verschiedenen Gesprächen mit Freunden der REHASWISS entschieden wir uns für das folgende Vorgehen:

Herstellung von Tischsets. Die Anleitung dazu kam von einer Handarbeitslehrerin in der Schweiz.

Nähen von Bademänteln, die man im Wellness-und Ayurvedabereich oder im Spital tragen kann, mit dazu passenden Nachtkleidern und Taschen.

Anfertigung von origineller Bettwäsche (Duvetbezüge und Leintücher). Den Auftrag dazu erhielten wir von zwei jungen Menschen aus der Schweiz.

Weitere Produkte, die sich für Heimarbeit eignen, können laufend neu ins Sortiment aufgenommen werden.

Wir starteten mit den Tischsets. Den grün/weissen Stoff dafür hatte ich bereits und musste nichts ausgeben. Amminikutty war sofort überzeugt, dass sie damit keine Schwierigkeiten haben würde. Ich betonte nochmals, dass die Schweizer Kunden anspruchsvoll seien, und alles genau genäht sein müsse. Nach Amminikutty war das “no problem”. Sie begann mit grossem Elan. Bald merkte ich, dass die Inderinnen eine andere Vorstellung von Exaktheit haben als ich es als Schweizerin gewohnt bin. Deshalb erlaubte ich mir nach einer Weile den Hinweis, dass die zwei Teile wie in der Anleitung beschrieben einzeln abzusteppen seien. Amminikutty war überzeugt, dass die Schweizer Version eine unnötige Mehrarbeit sei, die ohne sichtbare Folgen vermieden werden könnte. Leider musste sie nach fleissigem Arbeiten selber feststellen, dass es klüger gewesen wäre, die Anleitung einer Schweizer Handarbeitslehrerin einzuhalten. Sie trennte alles wieder auf und begann von neuem. Die fertigen Tischsets (grün/weiss kariert) sind an der nächsten Mitgliederversammlung am Verkaufstand zu bewundern. Nach meiner Kalkulation von Zeit, Material, Lohn und Stromkosten sind es kleine Kostbarkeiten. Amminikutty aber ist stolz auf ihr Werk und ist überzeugt, dass wir ihr Produkt in der Schweiz teuer verkaufen können.

Dass Talentförderung möglich ist, haben wir inzwischen bewiesen. Wir können das Tischset als qualitativ gutes Produkt anbieten, in Rohseide und in verschiedenen Farben. Die selbst erfundenen Taschen glauben wir auch in Indien verkaufen zu können, wir prüfen zurzeit die Absatzmöglichkeiten. Besonders freuten wir uns über die Anerkennung von Schweizer Gästen in der Susan Villa, die uns Bestellungen aufgaben oder uns sogar tatkräftig an Ort und Stelle mit ihrem eigenen Fachwissen unterstützten.

Aus meiner kurzen Erfahrung in Indien habe ich gelernt, nicht den Mut zu verlieren und mich immer wieder neu anzupassen. Wichtig ist, das gesteckte Ziel im Auge zu behalten, nämlich Menschen mit Behinderung neue Kenntnisse zu vermitteln und ihnen Verdienstmöglichkeiten zu bieten.

Ich freue mich, Ihnen unsere Kollektion an der Mitgliederversammlung am 11. Mai kurz vorstellen zu können. Falls Sie schon lange etwas genäht haben möchten: wir vom ASHA-Zentrum in Kerala freuen uns über Ihren persönlichen Auftrag.

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